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[Magie] Die Wahnwitzbeschwörer


[Magie] Die Wahnwitzbeschwörer

Beitragvon Nicolas » Freitag 20. November 2015, 19:56

Von der Wahnwitzbeschwörerei und ihren Anwendern

-- Nicolas von Arnstein



1. Einleitung


Dem geneigten Leser möchte ich in dieser kleinen Schrift jenen extravaganten Zweig der magischen Ausübung näherbringen, der Magiekundigen kaum noch bekannt ist oder über den sie höchst unwillig Auskunft geben. Die Rede ist hier von der entarteten Praktik der Wahnwitzbeschwörung. Eine Kunst, die sich von der Antike ins Mittelalter retten konnte, während der Renaissance und den Jahren der Pest eine neue Blütezeit erlebte, bis die Kirchen dieser Welt sie schlussendlich als ausgerottet glaubten.

Das Besondere an der Wahnwitzbeschwörung ist meines Erachtens, dass sie vollends die Macht des menschlichen Verstandes offenbart. Und die Abgründe, die sich darin verbergen. Pforten zu Welten, die an Schrecken die dämonischen Sphären gar zu übertreffen vermögen. Deren Praktizierer nennen sich folglich gemeinhin Wahnwitzbeschwörer, weitere gebräuchliche Bezeichnungen sind Phantasmagi, Tormentoren oder Chaotiker.

Ein Wahnwitzbeschwörer beginnt mit seiner Magie. Illustration nach Pete Venters


2. Ursprünge


Uralte religiöse Texte legen bei einer entsprechenden Interpretation den Schluss nahe, dass der Kosmos zu Beginn der Schöpfung beherrscht war von purer Anarchie, vom Chaos. Erst nachdem Ordnung in das Chaos gebracht werden konnte, war es dem Leben möglich, zu gedeihen und sich auszubreiten.
Durch die Ausbreitung des Römischen Reiches verleibten sich die anpassungsfähigen Römer nach und nach fremde Kulturen, und mit ihnen fremde Bräuche und Religionen ein. Darunter waren manch Kulte, die sich der Verehrung des Chaos verschrieben hatten und die den Wahnsinn als Ausdruck eben jenes altvorderen Chaos verstanden wissen wollten. Ein Kanal zu diesem anarchischen Urzustand, zugleich Segen und Auszeichnung.

Diese Kultisten des Irrsinns nutzten allerlei Methoden, um eine geistige Verbindung mit dem Chaos einzugehen. Halluzinogene jedweder Art nutzten sie bevorzugt, sie erweiterten ihr Bewusstsein und zerstörten es gleichermaßen damit, auf das der Wahnsinn darauf gedeihen möge. Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus diesen Kulten eine eigene Magieform, die sie im Untergrund praktizierten und perfektionierten, sie aber auch manchmal an den Meistbietenden verkauften.


3. Eingliederung in den magischen Kanon


Die Wahnwitzbeschwörung ist, wie viele ihrer Praktizierer, zwiegespalten. Sie lässt sich nicht einer magischen Schule zuordnen. Sie speist sich aus vielen Formen und steht doch außerhalb der angesehenen Schulen. Selbst der sogenannten Schwarzen Magie ist die Wahnwitzbeschwörung nicht geheuer, da der Praktizierer nicht nach Macht strebt, sondern sie bisweilen sogar aufgibt.

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die Wahnwitzbeschwörung vordergründig wie ein unheiliger Hybrid aus Illusionsmagie und der Schule der Beschwörung wirkt. Letzteres entspricht wohl leidlich der Wahrheit, da Beschwörer für gewöhnlich auf die außerweltlichen dämonischen Sphären zurückgreifen, während die Wahnwitzbeschwörer auf ihren eigenen Verstand zurückgreifen, auf ihren kranken Geist, ihren Wahnsinn. Oder gar auf etwas, das dahinter liegt. Auf ein uraltes, unbekanntes Grauen, älter noch als Engel und Dämonen.


4. Anwendung und Anwender


Für gewöhnlich ist es für den Wahnwitzbeschwörer zunächst erforderlich, dass er seinen Geist für die magischen Tätigkeiten vorbereitet. Mittels allerlei Stoffen, welche auf andere Gemüter eine schädliche Wirkung ausüben würden, bringt sich der Wahnwitzbeschwörer hingegen in einen Bewusstseinszustand, der ihm die Ausübung seiner Praktik erlaubt. Er regt seine Geistestätigkeit an, öffnet sich dem abgrundtiefen Grauen, bringt zusammen, was auseinandergebrochen ward. Oder umgekehrt. Die Natur des Chaos bringt es mit sich, dass eine Ordnung ein schwieriges Unterfangen ist.

Nichtsdestoweniger lassen sich Muster in der Vorgehensweise der Wahnwitzbeschwörer feststellen. Haben sie sich körperlich auf die Wirkung ihrer Magie eingestimmt, so greifen sie für gewöhnlich zunächst den Verstand des Gegenübers mit Illusionen und Phantasmagorien an. Je nach Stärke und Wirkungsgrad der angewandten Magie entfesselt der Wahnwitzbeschwörer zusätzlich einen Nebel unbekannter Substanz, aus welchem er seine Illusionen manifestiert.

Ein Wahnwitzbeschwörer erzeugt seinen „Nebel“. Illustration von Kev Walker

Weit gefährlicher ist die Herbeirufung einer körperlichen Manifestation des eigenen Wahnsinns, wenn sich der Wahnwitzbeschwörer dazu entscheidet. Je nach Beschaffenheit und Lebensdauer der Abscheulichkeit muss der Wahnwitzbeschwörer allerdings einen Gutteil seiner Kraft aufwenden, die bisweilen gar zu einem sich spontan einstellenden Erschöpfungszustand führen kann, wenn der Wahnwitzbeschwörer sich hierfür verausgabt. Weiter ist das erzeugte Geschöpf eine Ausgeburt seines eigenen Hirnes, mit ihm geistig verbunden. Wird diese Verbindung gekappt, verschwindet die Wahnwitzgestalt augenblicklich aus unserer Welt.

Eine Kreatur des Wahnsinns. Illustration von Mark Tedin


Die Natur der Wahnwitzbeschwörung und ihre Vorbereitung bringen es mit sich, dass ihre Anwender in ihrer psychischen Verfassung und demzufolge auch in ihrem Verhalten für gewöhnlich dem widersprechen, was die Mehrheit als normal empfindet. Auch wenn es den meisten Anhängern gelingt, eine Fassade der Normalität zu errichten, brodelt es ständig in ihrem Innersten. Albträume und Gewaltfantasien sind ständige Begleiter, Paranoia und Wahnvorstellungen aufgrund Drogenmissbrauchs nicht selten.

Vergleicht man den Verstand mit Wasseransammlungen, dann gleicht er bei den meisten Individuen seichten Gewässern. Der Wahnwitzbeschwörer jedoch verfügt über Untiefen, die niemand zu kartographieren vermag und die möglicherweise über keinen Grund verfügen. Er erkundet diese Untiefen, weckt die Bestien seines Unterbewusstseins zu seinem eigenen Vergnügen und dem Leid anderer.
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Re: [Magie] Die Wahnwitzbeschwörer

Beitragvon Ese » Montag 23. November 2015, 19:40

Ausschnitt aus den Forschungsunterlagen von Dr. Ese Mechthild Marne aus der alten Welt

Die Forschungen sind im Rahmen eines Attentats im Jahre 1896 unternommen worden. Ein scheinbar geistesgestörter Russe sprengte die Hochzeit eines jungen Paares, beschwor mehrere Monster und tötete insgesamt 37 Personen, der Rest war nach dem Anschlag traumatisiert. Der Täter selbst wurde am Tatort von Polizisten erschossen, obwohl er sich nicht zu wehren versuchte. Es schienen keine Verbindung zwischen dem Mann und dem Hochzeitspaar zu bestehen. Dr. Marne wurde als "Fachmann auf dem Gebiet des scheinbar Unmöglichen" hinzugezogen.


Auszug aus dem Bericht der Obduktion:

Der Kopf des Magus ist bemerkenswert. Ein Aufschneiden der Schädeldecke gab Einblick in seine Gehirnwindungen. Zuerst ist mir der geteilte Frontallappen aufgefallen. Während Menschen einen recht großen, einzelnen Frontallappen aufweisen, so ist bei diesem Magier der Teil des Gehirns tatsächlich gespalten und weist zwei ähnlich große Strukturen auf. Als würde er zwei dieser Hirnteile besitzen, was absolut einzigartig ist! Ähnliche Abweichungen der magischen Anatomie sind zwar bisher schon aufgetreten, aber waren selten so stark ausgeprägt wie in diesem Fall.
Ebenso auffallend ist es, dass der Thalamus des Toten beschädigt, ja fast verkümmert scheint. Verursacht worden ist das entweder durch den Gebrauch seiner Magie (derartige Abnutzungserscheinungen treten vor allem bei Mischblütern auf), oder starken Drogenmissbrauch, der auf eine Abhängigkeit schließen lässt. Ebenso ist der seitliche Schläfenlappen stark angeschlagen.

Daraus lässt sich allgemein folgern, dass der Magier unter visuellen und akustischen Halluzinationen litt, die möglicherweise zu seinem unberechenbaren Verhalten führten. Außerdem glaube ich, dass der Tote oft unter starken Kopfschmerzen litt, ausgelöst durch ein Drücken der beiden Frontallappen auf die innere Stirn. Tatsächlich zeigt die Schädeldecke hier Risse, als hätten sich die beiden Hirnteile immer weiter entwickelt und wären bis zum Zeitpunkt seines Todes gewachsen. Ein möglicher Ansatzpunkt wäre es, dass die magischen Energien seine Anatomie ständig veränderten, ähnlich wie beim Körper eines Wandlers. Somit ist sein Hirn im Laufe seiner magischen Ausführungen "gewachsen" und kam an eine besorgniserregende Grenze. Es ist anzunehmen, dass der Kopf des Magiers bei weiterer Praktizierung regelrecht explodiert wäre.
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