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Entstehung und Wesen der Gargoyle


Entstehung und Wesen der Gargoyle

Beitragvon Ismar* » Donnerstag 14. April 2016, 21:27

„So gargoyles were born, and they stood night and day,
keeping evil and terrible spirits away.“

- der Versuch, Entstehung und Wesen der Gargoyle darzustellen. Aufsatz eines Schülers im Jahre 2013.

Aufgabenstellung: „Erstellen Sie einen Aufsatz über einen beliebiges Thema. Es soll sich um die Darstellung eines komplexeren Sachverhalts handeln, der detailliert und einfach erklärt wird. Achten Sie darauf, in das Thema einzuführen; seien Sie kreativ. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Einhaltung eines guten Stils und Ausdrucks, den Begriff „Fakten“ dürfen Sie – ausnahmsweise! – etwas freier gefasst verstehen.“

Es handelt sich um liniiertes Papier, die Handschrift ist unordentlich und scheint die eines jungen Mannes zu sein. An wenigen Stellen sind Anmerkungen mit Rotstift gemacht worden. Wie die Seiten nach Exile gelangen konnten ist fragwürdig.

Bereits seit dem 5. Jahrhundert vor Christus erschafften die Menschen Gestalten, um das Wasser von ihren Gebäuden hinunter kontrolliert auf die Straße fallen zu lassen. Ab dem Jahr 1000 in etwa gab man diesen steinernen Wesen, besonders auf Kirchen, dämonische Formen, und sprach ihnen eine weitreichende Symbolik zu – das Wirken des Teufels auf Erden sollten sie darstellen, die Gebäude vor eben jenen Mächten beschützen.
Man kann davon ausgehen, dass es sich bei den meisten Wasserspeiern um harmlose Gebilde aus Stein handelte (und noch immer handelt), die tatsächlich vor allem eine symbolische Wirkung hatten. Doch in einigen Fällen, so munkelt die Mythologie, die Legende, verbirgt sich in diesen finsteren Gestalten ein Funken Leben...

Ein Gargoyle wird hergestellt, wie jeder andere Wasserspeier auch – ein Handwerker erhält den Auftrag, eine Statue zu erschaffen. Welche Umstände einen Einfluss auf das Einziehen eines dämonischen Wesens in den steinernen Körper haben, darüber sind sich die wenigen Leute, die sich je mit diesem Thema beschäftigt haben, uneinig – manche behaupten, es hänge mit dem Alter der Kirche zusammen, andere wollen eine Verbindung sehen zu Unruhen in der Gegend, wenige machen die Stellung der Gestirne verantwortlich. Eine Verbindung zur Qualität und Form der Statue kann nicht ausgeschlossen werden. Die Beseelung ist im Allgemeinen ein Prozess, der langsam vonstatten geht, zunächst kaum merkliche Veränderungen veranlasst, die nach außen hin nicht sichtbar sind. Beschreiben lässt sich das ganze am besten als das Erwachen einer dämonischen Seele in dem steinernen Körper, ein gemächliches Augen aufschlagen.
Die Herkunft des Dämons ist dabei ebenfalls ungeklärt. Der Erwachte verhält sich nicht wie ein Neugeborener, weswegen man davon ausgeht, dass er bereits vorher existierte und eine Chance gehabt haben muss, sich ein teilweise recht umfangreiches Wissen über irdische Gepflogenheiten anzueignen. Auch kämpferisch sind die meisten Gargoyle mehr als talentiert. Die derzeit gültige Theorie in diesem Bereich (sofern man es denn Theorie nennen kann... So ein spinnerter ProfessorAnmerkung der Lehrerin: das Wort „spinnert“ existiert laut Duden nicht. hat das mal gesagt, und widersprochen hat ihm aus Mangel an interessierten Forschern bisher keiner) besagt, dass ein Gargoyle in Sphären, die denen der Unterwelt ähneln, lebt, bis er in seinen Dienst in irdische Gefilde gerufen wird, und dorthin auch wieder zurückkehrt. Konkrete Erinnerungen an ein „Leben davor“ hatte bisher keiner der befragten Dämonen (besagter Professor bittet, von einer Beschimpfung seiner Studie als „Medizinerstatistik“ abzusehen, es handele sich hierbei um eine hochwissenschaftliches Vorgehen mit ausreichender Personenzahl – einer war immerhin aufzutreibenBemühen Sie sich bitte um einen wissenschaftlicheren Tonfall. Dies soll ein wisschenschaftlicher Aufsatz sein, auch wenn das Thema Ihrer Phantasie entsprungen sein mag).

Durch das Einziehen der dämonischen Seele in den steinernen Körper verändert sich dieser in seinem Innersten. Die genauen chemischen und physikalischen Prozesse lassen sich dabei nicht ermitteln. Fest steht das Ergebnis: Der Stein erlangt höchste Beweglichkeit und ist in der Lage, aus sich selbst heraus eine Kraft auszuüben, die der eines gut trainierten Menschen entspricht. Er scheint zu diesem Zweck an Gewicht deutlich abzunehmen, nicht allerdings an Härte. Es kann sich also nicht um grundlegende Materialveränderungen handeln. Es ist noch nicht gelungen, einen Gargoyle auf eine Waage zu stellen, doch es konnte beobachtet werden, dass er relativ problemlos auch auf statisch einfach gehaltenen Gebäuden umherklettern kann, ohne an diesen nachhaltige Schäden zu hinterlassen. Aus Mangel an möglichen rein wissenschaftlichen Erklärungen muss man hier wohl an eine aus dem Einfluss des dämonischen Wesens resultierende Magie glauben.

Der erwachte Gargoyle ist in seiner Form nicht veränderlich; der Stein bleibt Stein, was ein organisches Wachstum desselben ausschließt. Man kann davon ausgehen, dass verlorene „Körper“teile weder ersetzt werden noch wieder anwachsen können.
Ob man die Statue, gewissermaßen des Gefäß der dämonischen Seele, als einen Wirtskörper oder die wahre Form des Dämons ansieht ist eine Frage, an der sich die Geister scheiden. Besser wäre „über die sich die Wissenschaftler uneinig sind.“ Auf der Erde kann ein Gargoyle ohne sie nicht mehr existieren, er verschwindet mit der Zerstörung der steinernen Statue, ebenso wie diese zerfällt, sollte der Geist darin zu schaden gekommen sein.

Letztendlich sind diese Wasserspeier-Dämonen wohl so individuell wie die Gestalten, die sie haben können. Ein paar wenige Eigenschaften scheinen ihnen jedoch allesamt eigen zu sein.
Naturgemäß ist der Stein durch herkömmliche Gewaltanwendung schwer zu zerstören oder zu beschädigen. Umso anfälliger ist er dafür für jedwede Form der Magie, insbesondere der Elementmagie. Aber auch magische Entfaltungen, die den Geist des Dämons direkt anzugreifen suchen, scheinen außerordentlich wirksam zu sein. Lichtmagische Attacken, ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, haben selbstverständlich den größten Einfluss, sowohl auf den Körper als auch auf den Geist des Dämons.
Zudem scheint im Wesen jedes Gargoyle ein Krieger zu schlummern – wenig verwunderlich, bei der Aufgabe, die diese Art sich gestellt hat; das Wachen über ein Gebäude. Dieses stellt ihre grundeigene Existenzberechtigung dar, dementsprechend begabt sind die meisten von ihnen im Umgang mit Schwert, Schild und ähnlichen Waffen. Wie die dabei erforderliche hohe Beweglichkeit mit ihrem Grundprinzip, aus Stein zu bestehen, vereinbar ist, scheint ein Rätsel, bis man die Natur dieser Wesen untersucht – geschaffen, um zu schützen, ist der dämonische Zug im Stein in der Lage, den Körper seinen Bedürfnissen ein Stück weit anzupassen, und die benötigten Voraussetzungen für diese Fähigkeit zu veranlassen. Auch das Kletten scheint ihnen damit im Blute zu liegen, auf dem Boden halten sich die meisten Gargoyle höchst ungern auf. Mit anderen feinmotorischen Aufgabenstellungen, zum Beispiel dem Halten eines Stifts, sind die steinernen Pranken allerdings überfordert.

Ich schließe diese Erläuterungen ab mit einem Zitat aus einem Gedicht, „God bless the Gargoyles“ - von Dav Pilkey, der das charakterliche Wesen eines Gargoyle-Dämonen treffend beschrieben hat:

„In a long-ago time, when long ago peoples
were building cathedrals and raising up steeples,
they crafted stone creatures and set them on perches
to guard and protect and watch over the churches.

So gargoyles were born, and they stood night and day,
keeping evil and terrible spirits away.“


Abschließender Kommentar:
Mister Cardiff,
Ihre Fantasie ist bewundernswert. Sie haben die Aufgabenstellung zwar im Großen und Ganzen erfüllt, den Begriff „Fakten“ dann aber doch mehr als frei gehandhabt. Eine Rückmeldung ist daher nicht in qualitativ hochwertiger Form möglich. Der Stil ist verbesserungswürdig - Ihre Sätze sind teilweise recht komplex und lang gehalten, die Verwendung von sarkastisch angehauchten Sätzen empfiehlt sich weder in der Schriftsprache noch in einem wissenschaftlich anmutenden Aufsatz. Einzelne Anmerkungen habe ich im Text vermerkt.
D. Brunner



Am unteren Ende der Seite findet sich eine handgeschriebene Notiz, die offenbar einige Zeit nach dem Aufsatz selbst hinzugefügt wurde:

Wenn er auch nicht in allen Punkten Recht hat und teilweise Fakten als gegeben sieht, die sich noch in der theoretischen Diskussion befinden, so scheint Mr. Cardiff doch ein Verständnis für das Wesen der Dämonen, die gemeinhin „Gargoyle“ genannt werden, zu besitzen. Es wäre interessant, seine Quellen zu erfahren.
Mit Vorbehalt mag dieser Aufsatz dazu dienen, einen Gargoyle zu beschreiben und zu definieren.
Der Lehrerin wird hiermit weitreichende Unkenntniss bescheinigt.

(Quelle für die geschichtliche Komponente: Wikipedia
Zitate aus „God Bless The Gargoyles“, 1996, von Dav Pilkey)
Ismar*
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